2026 Wohnhaus am Ortsrand
fertiggestellt
Das Wohnhaus liegt am Rand eines gewachsenen, bäuerlich geprägten Dorfes im Gailtal (A, Ktn.) und führt die ortstypische Siedlungsstruktur zeitgemäß fort. Ausgangspunkt des Entwurfs ist die regionale Typologie der Harpfe – ein Bautyp, der traditionell zwischen Siedlung und Landschaft vermittelt. Deren Geometrie und volumetrische Struktur werden aufgegriffen und zu einem kompakten Baukörper weiterentwickelt, der gleichzeitig Giebelformen, Dachneigungen und Proportionen des Dorfes aufnimmt und die bestehende Dachlandschaft wie selbstverständlich ergänzt.
Als Teil des Dorfgefüges stärkt das Gebäude den östlichen Ortsrand und schafft einen vermittelnden Übergang zwischen Dorf und offenem Wiesenraum. Durch die kompakte Organisation und den Verzicht auf eine Unterkellerung wird die Flächenversiegelung reduziert.
Für eine vierköpfige Familie konzipiert, entsteht Großzügigkeit nicht durch zusätzliche Fläche, sondern durch die Qualität der Räume und deren Beziehungen zueinander. Das räumliche Zentrum verbindet über den offenen Treppenraum alle Ebenen zu einem durchgängigen Raumkontinuum.
Im Erdgeschoss gehen Kochen, Essen und Wohnen fließend ineinander über. Die halbgewendelte Treppe, der zentrale Kamin mit Tischherd zonieren den Bereich subtil und strukturieren das Innere. Die überdachte Eingangsterrasse bietet gleichzeitig geschützten Zugangbereich und erweiterten Wohnraum im Außenbereich und schafft einen fließenden Übergang zur Landschaft.
Im Obergeschoss sind drei Schlafzimmer und der Sanitärbereich kompakt um die zentrale Erschließungszone angeordnet. Diese wird durch eine Sitzbank am Fenster zu einem zusätzlichen Aufenthaltsbereich zum Lesen, Arbeiten oder Spielen. Über einen Luftraum mit Liegenetz und die leichte Treppenkonstruktion wird eine starke räumliche Verbindung zum Dachgeschoss geschaffen, wo das gesamte Dachvolumen als Spiel-, Gäste- und Arbeitsbereich erlebbar wird.
Präzise gesetzte Fensteröffnungen holen die Umgebung ins Haus und rahmen die Ausblicke auf die umgebende Landschaft. Von den verschiedenen Ebenen eröffnen sich Blickbeziehungen zu den Gailtaler Alpen im Westen, zum Dobratsch im Norden sowie zu den Karawanken und den Julischen Alpen im Osten. Zugleich bleibt der unmittelbare Bezug zur Wiesenlandschaft und zum Garten stets präsent.
Konstruktiv besteht das Gebäude vollständig aus sichtbar belassenem Brettsperrholz. Wände, Decken und Dachflächen prägen mit ihrer Holzoberfläche die Atmosphäre des Innenraums. Ergänzt wird die Konstruktion durch Holzfaserdämmung und eine hinterlüftete Fassade aus unbehandeltem Lärchenholz in traditioneller Deckelschalung. Fenster, Portal und Dachmaterial orientieren sich ebenfalls an den regionalen Materialien und Bauformen.
Der Linoleumboden bildet einen bewussten Kontrast zum Holz und stellt eine langlebige sowie ökologische Lösung dar. Die Beheizung erfolgt über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe; südöstlich orientierte Verglasungen ermöglichen passive solare Gewinne.
Der Außenraum bleibt weitgehend naturbelassen und geht unmittelbar in die umgebende Wiesenlandschaft über. So entsteht ein Wohnhaus, das regionale Bautraditionen zeitgemäß weiterentwickelt und sich wie selbstverständlich in die gewachsene Struktur des Ortes einfügt. Nachhaltigkeit wird als integraler Bestandteil des Entwurfs verstanden – getragen von Kompaktheit, geringer Flächeninanspruchnahme, Einsatz nachwachsender Rohstoffe und qualitätsvollen Räumen.